>>>>>>>>>> The pilot on her way to Tokyo

   
 

Flash Animation 2007 (with Sound),  
Text: Oskar Pastior from "Vokalisen & Gimpelstifte"

   
   
 

Die Pilotin auf dem Weg nach Tokyo::

1- Im September 1931 fotografierte Lotte Jacobi die junge Pilotin Marga von Etzdorf für das Titelbild der Münchner Illustrierten Presse. Im August hatte die Fünfundzwanzigjährige im kleinen Sportflugzeug den Rekordflug von Berlin nach Tokyo in 11 Tagen geschafft. Auf dem Photo sieht man, vom Licht deutlich modelliert, die linke Profilansicht einer jungen Frau mit schwarzer Kappe.

Auffällig ist das Fehlen jeder heroischen Geste, kein Attribut wie Fliegerbrille oder Lederjacke weist auf die Fliegerin hin. Der Mund ist entspannt geschlossen, das Auge blickt unbeteiligt, mit einem Ausdruck von Melancholie und Unergründlichkeit.

Die Pilotin als heraldisches Motiv blickt nicht in die Zukunft, Lotte Jacobi zeigt ihr Profil von links, mit dem Blick in die Vergangenheit.

Lotte Jacobi hat den Betrachtern die Pilotin entzogen, alles Spektakuläre entfernt und bietet uns das Gesicht als irritierendes Motiv für unsere Projektion. Interpretationsmöglichkeit statt Darstellung - sieht man so aus, wenn man allein über die russische Steppe geflogen ist?

2- Ein Foto gilt landläufig als der zutreffende Beweis -
so einen Kopf hat man, so zeigt einen der Reisepass.
Die Portraitzeichnung war nach der Erfindung der Photographie frei -
sie konnte sich auf die Deutung eines Gesichts konzentrieren - den besonderen Ausdruck verstärken, Merkmale hervorheben, psychische Momente betonen.
Das Portrait der Pilotin habe ich viele Male gezeichnet. Dabei merkte ich immer mehr, dass sich die Pilotin in Lotte Jacobis Studio schon aus eigenen Stücken entzogen hat - sie wollte eine Einschätzung ihrer Person nicht zulassen. Mit ihr ist auch beim Zeichnen kein eindeutiger Ausdruck aufrechtzuerhalten. Sie oszilliert in jedem Moment und gibt ihr Geheimnis nicht preis.

3- In der Animation werden allmählich alle gezeichneten Portraits übereinandergelagert und bilden Schichten, die nach der letzten Zeichnung wieder abgetragen werden. Das Computerprogramm versetzt die Handzeichnung in einen anderen medialen Zusammenhang, der Film löst sich von der Zeichenvorlage ab. Die Pilotin in ihrer Uneindeutigkeit weist auf die Vieldeutigkeit hin, in der sich alles bewegt, was in der Welt beobachtbar ist.

Flash Animation 2007 (mit Sound),  
Text: Oskar Pastior aus "Vokalisen & Gimpelstifte"

   

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